Die "Rondos" - Backnangs legendäre Schleuderbrettakrobaten

Otto Gier

Vorwort

 

Seit vielen Jahren werde ich massiv bedrängt und gedrängt, den Werdegang und die großen Erfolge der legendären Backnanger Schleuderbrettgruppe „Rondos" illustriert darzustellen. Die Hauptdrängier waren der Vorsitzende des Heimat- und Kunstvereins Ernst Hövelborn, der Vorsitzende der Gesamt-TSG Willi Müller, der Zirkusexperte Dieter Wohlfahrt und mein Freund Helmut Bomm. Letzterer war nicht nur der Hartnäckigste von allen, er war auch der Schlaueste. Er konnte meine Frau als Fürsprecherin gewinnen mit der großspurigen Behauptung, die „Rondos" seien ein wichtiger Teil der Backnanger Stadtgeschichte und deshalb müsse das Wirken der „Rondos" unbedingt in Schrift und Bild festgehalten werden. Im Gegensatz zu mir war meine Frau vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugt. Deshalb musste ich täglich den Spruch anhören: „Hock de endlich na ond schreib! Du woisch doch fascht alles über d' Schleuderbrettler? Du warsch doch scho 12 johr derbei, bevor die überhaupt Rondos g'heißa hend. Also - fang endlich a!" - „O.K. - i schreib." Steter Tropfen höhlt den Stein oder: Wer traut sich schon seiner Frau zu widersprechen? Wer aber den Weg der Schleuderbrettakrobaten ernsthaft nachzeichnen möchte, der kann den Kraftsportverein Backnang und die Sportart Kunstkraftsport nicht übergehen, und er wäre schlecht beraten, und es wäre auch unfair, wenn er die vielen anderen guten Akrobatengruppen, die der Kraftsportverein Backnang hatte, nicht wenigstens erwähnen würde. Und noch etwas: Ich habe bei meinen Aufzeichnungen nie versucht, die Sprache der Intellektuellen nachzuahmen. Mein Bericht ist die Sprache des einfachen Mannes - geschrieben für jedermann. Von der Amateurakrobatik zum Kunstkraftsport Dass die deutschen Amateurakrobaten als eigenständige Organisation unter das Dach des Deutschen-Athletik-Sport-Verbandes (D.A.S.V.) schlüpfen durften, verdanken sie ganz allein dem Kraftsportverein (KSV) Backnang, vor allem dem ersten Vorsitzenden Heinrich Hegele und den beiden Vorstandsmitgliedern Wilhelm Traub und Otto Haffner. Ihnen ist es gelungen, mit zwei bravourös organisierten Amateur-Artistik-Wettkämpfen im Backnanger Bahnhothotel die Oberen vom D.A.S.V. davon zu überzeugen, dass die Disziplin Akrobatik eine Bereicherung für die gesamte Schwerathletik darstellt. Aus diesem Grund ist wenige Monate nach dem zweiten Wettstreit hier in Backnang die Aufmerksamkeit offiziell als neue Sportart anerkannt worden. Man schrieb das Jahr 1931, und die neue Disziplin bekam den etwas hochtrabenden Namen Kunstkraftsport. Mit den "Buarts" hat alles begonnen